Der kleine Mann erprobt seinen Dickkopf. Er schimpft, wirft sich auf den Boden, er weint und schreit. Doch was will er nur? König und Königin, inzwischen echte Experten in nonverbaler Kronsohn-Kommunikation, wissen es nicht. Mag er das Frühstück nicht essen? Will er eine Gabel, mit der er schon seit Wochen so schön piekt? Will er auf den Schoß, ist er satt? Was will er. Wenn er doch nur sprechen könnte, denken die gestressten Eltern. Dann wüsste man zumindest, was er sich vorstellt, der kleine Dickkopf.
Meist ist er jedoch friedlich in diesen Tagen. Er klettert gern – auch aufs Schaukelpferd, auf dem er dann freihändig balanciert. Er sortiert sehr gern, spielt mit dem Staubsauger, dem Fön, schnippt Gummis umher, verteilt Wäscheklammern in der Wohnung. Er spielt mit seinem Schlitten und ist neugierig auf alle Alltagshandlungen. Er möchte die Wäsche in die Waschmaschine stopfen und die Windel in den Windeleimer, er möchte mit dem Schneebesen im Topf rühren, er staubsaugt, fegt, er putzt Zähne, er macht eine Fußbad wie Papa (nur ohne Wasser).
Noch immer staunt das Königspaar über seine Kenntnisse im Hörverstehen. Manche Worte tuscheln sie inzwischen hinter vorgehaltener Hand, weil Krohnsohn sonst sofort losläuft, den Staubsauger anstellt, das Radio holt oder die Zähne putzt. Manchmal denken die Eltern, der Kleine versteht einfach alles.
Im Moment kämpfen die Eltern mal wieder mit Kronsohns Mahlzeiten. Er ist zu neugierig, will alles probieren, was er sieht. Ein Abendbrot mit der ganzen Familie wird zum puren Stress, wenn Schwester eins Leberwurst isst, sich Schwester zwei dann Käse nimmt. Sofort lässt Kronsohn fallen, was er soeben von den Eltern gereicht bekommen hat und zeigt mit dem Fingerchen auf die neue Leckerei. Inzwischen hat der Schlauberger auch herausgefunden, dass man die Wurst gar nicht unbedingt mit dem Brot essen muss. So nascht er einfach den Belag und lässt das Backwerk liegen. Königin hofft, es ist nur eine Phase und übt sich in Geduld.
Schwerer ist es schon mit der aktuellen Schlafsituation. Kronsohn gefällt es nämlich derzeit, um 5 Uhr morgens zu erwachen. Die Eltern sind wenig begeistert von der Idee, doch sie sind weitgehend machtlos, laufen frühmorgens mit tiefen Augenringen uns schlechter Laune herum. Beim Tagschlaf ist es ungewiss. Manchmal schläft der Prinz vormittags und nachmittags. Manchmal legt er sich bereits zu einem richtigen Mittagsschlaf zur Ruh. Jeder Tag ist anders. Wahrscheinlich sind die Eltern einfach zu unflexibel für den kleinen Mann.
DH